Blue Chip vs. New Chip: Etablierte Klassiker und ihre modernen Konkurrenten

12. Juni 2026
Andrew Newton

In der Investmentwelt bezeichnet der Begriff „Blue Chip“ Unternehmen mit gutem Ruf, soliden Finanzen sowie einer langen Geschichte von Stabilität und nachhaltigem Wachstum. Anders gesagt: verlässliche Anlagen für langfristige Investitionen.

In der Automobilwelt hat „Blue Chip“ jedoch eine etwas andere Bedeutung bekommen. Gemeint sind im Wesentlichen hochwertige klassische Fahrzeuge, die – ähnlich wie ihre Pendants an der Börse – bekannt, begehrt und über lange Zeit wertstabil beziehungsweise wertsteigernd sind.

In jüngster Zeit stammt ein großer Teil des Wertzuwachses bei Sammlerfahrzeugen jedoch von neueren Autos – Fahrzeugen vom Ende des 20. Jahrhunderts und dem Beginn des 21. Jahrhunderts. Viele von ihnen teilen mehrere Eigenschaften mit den traditionellen Blue-Chip-Klassikern; sie sind lediglich moderner. Deshalb haben wir einige dieser sogenannten „New-Chip“-Sammlerfahrzeuge ausgewählt und sie ihren klassischen Gegenstücken gegenübergestellt.

Blue Chip: Toyota 2000GT
New Chip: Lexus LFA

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Diese hochdrehenden Coupés repräsentieren beide den Höhepunkt von Toyota in ihrer jeweiligen Ära, und beide wurden interessanterweise mit Unterstützung von Yamaha entwickelt. Beide Fahrzeuge waren bei ihrer Einführung extrem teuer und wurden nur in sehr geringer Stückzahl produziert – lediglich 351 Exemplare des 2000GT und 500 Exemplare des LFA.

Der Toyota 2000GT (1967–1970) war außerdem das erste japanische Fahrzeug, das bei einer Auktion die Marke von 1 Million US-Dollar überschritt (im Jahr 2013). Ein Rennwagen auf Basis des 2000GT ist bis heute sogar das einzige japanische Auto, das bei einer Auktion mehr als 2 Millionen US-Dollar erzielte. In der Welt klassischer japanischer Automobile ist er der unangefochtene König, und in unserem Preisführer liegt sein aktueller Wert im Zustand 2 umgerechnet bei glatt 1 Million US-Dollar.

Der Lexus LFA (2011–2012) ist das deutlichste moderne Gegenstück zu seinem Vorgänger mit Toyota-Emblem. Der Aufstieg des LFA in den Millionenbereich erfolgte später – zu Beginn der 2020er-Jahre –, doch heute bewegt er sich in einer ähnlichen Wertregion. Für die Basisversion des LFA liegt der aktuelle Zustand-2-Wert bei 775.000 US-Dollar. Fahrzeuge mit dem rennstreckenorientierten Nürburgring-Paket erreichen dagegen 1,65 Millionen US-Dollar.

Blue Chip: Shelby Cobra
New Chip: Ford GT

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Sowohl die Shelby Cobra von 1962–1967 als auch der Ford GT von 2005–2006 sind Fahrzeuge mit relativ geringer Produktionszahl, extremer Leistung und kompromisslosem Charakter aus Fords umfangreicher Performance-Geschichte.

Die Cobras lieferten sich in den 1960er-Jahren bekanntlich packende Duelle mit Corvette und Ferrari auf den Rennstrecken der Welt. Sowohl Straßen- als auch Rennversionen der Cobra zählen seit mehreren Jahrzehnten zu den wertvollsten klassischen Sportwagen überhaupt. Mit insgesamt rund 1000 gebauten Exemplaren aller Varianten ist die Cobra selten, taucht aber dennoch regelmäßig auf dem Markt auf. Die Werte im Zustand 2 variieren je nach Motorisierung und Ausführung: von knapp unter 1 Million US-Dollar für frühe Modelle mit 260- oder 289-V8 bis hin zu 2 bis fast 3 Millionen US-Dollar für die extremen 427 Competition- und S/C-Versionen.

Der Ford GT ist eine Hommage an die GT40-Rennwagen, die 40 Jahre zuvor Le Mans gewonnen hatten. Hinsichtlich Produktionszahl und Marktwert hat er jedoch vermutlich mehr Gemeinsamkeiten mit der Cobra. Ford produzierte 4038 Exemplare des GT, weshalb sie regelmäßig auf dem Markt auftauchen. Die Werte im Zustand 2 reichen von 471.000 US-Dollar für das Basismodell bis zu 622.000 US-Dollar für die blau-orangefarbene Heritage Edition.

Im Gegensatz zum späteren Ford GT der Baujahre 2017–2022 sind die Modelle von 2005–2006 zudem seit vielen Jahren kontinuierlich im Wert gestiegen – weshalb die Bezeichnung „Blue Chip“ hier durchaus passend erscheint.

Blue Chip: Lamborghini Miura
New Chip: Bugatti Veyron

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Der Lamborghini Miura war ein stilprägender Supersportwagen und schuf vor 60 Jahren die Vorlage für leistungsstarke, mittelmotorisierte und extravagant gestaltete italienische Exoten. Lamborghini baute zwischen 1966 und 1972 insgesamt 762 Miuras, und der aktuelle mittlere Wert eines Exemplars im Zustand 2 liegt bei 2,9 Millionen US-Dollar – fast das Dreifache seines Werts von vor zehn Jahren.

Was der Miura in den 1960er- und 1970er-Jahren für Supersportwagen bedeutete, war der Bugatti Veyron (2006–2015) wohl für die Hypercars der 2000er-Jahre. Wie der Miura war auch der Veyron zu seiner Zeit ein Spitzenfahrzeug mit einem Spitzenpreis. Und obwohl beide Autos extrem schnell waren, waren sie nie primär für die Rennstrecke gedacht.

Der Veyron weist zudem eine ähnlich geringe Produktionszahl auf – weniger als 1000 Fahrzeuge insgesamt (genauer gesagt 450 Exemplare beim Bugatti) – sowie vergleichbare Marktwerte. Die Werte im Zustand 2 bewegen sich zwischen 1,65 Millionen und 2,35 Millionen US-Dollar.

Blue Chip: Corvette L88
New Chip: Corvette C7 ZR1

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Das extrem teure und nie offiziell beworbene L88-Paket, angeboten nur über einen sehr kurzen Zeitraum von 1967 bis 1969, stellte den absoluten Höhepunkt dessen dar, was eine Corvette in den 1960er-Jahren sein konnte. Es kombinierte einen rennsportoptimierten 427-cui-V8 mit verstärkter Hochleistungs-Technik in nahezu allen Bereichen. Entsprechend spiegeln sich diese Eigenschaften heute in den Marktwerten wider.

Das Modelljahr 1967 (nur 20 gebaute Exemplare) ist die wertvollste Serien-Corvette überhaupt, mit einem Zustand-2-Wert von 2,2 Millionen US-Dollar für Coupés und 2 Millionen US-Dollar für Cabriolets. Beim 1968er Modell (80 Exemplare) liegen die Werte bei 444.000 USD für Coupés und 509.000 USD für Cabriolets. Für das Modelljahr 1969 (116 Exemplare) betragen die Werte 442.000 USD für Coupés und 549.000 USD für Cabriolets.

Die Corvette C7 ZR1 besitzt zwar nicht die direkte Rennsport-Verbindung der alten L88, ist jedoch ebenfalls ein seltenes (2953 gebaute Fahrzeuge) und nur kurz produziertes Modell, das zur Bauzeit den Höhepunkt der Corvette-Baureihe darstellte – vor allem dank ihres aufgeladenen LT5-V8 mit 755 PS.

Darüber hinaus gilt sie wohl als die ultimative Corvette mit Frontmotor überhaupt. Die C7 ZR1 war das Abschiedsmodell der C7-Generation und wurde ausschließlich für das Modelljahr 2019 gebaut, bevor 2020 die mittelmotorisierte C8 erschien. Sie ist zweifellos die schnellste serienmäßige Corvette mit Frontmotor. Außerdem war sie – wie die übrigen Modelle der C7-Reihe – die letzte Corvette, die noch mit Handschaltgetriebe erhältlich war.

Die aktuellen Zustand-2-Werte für die nur 2019 gebaute ZR1 liegen bei 227.000 US-Dollar für Cabriolets und 220.000 US-Dollar für Coupés.

Blue Chip: Mercedes-Benz 300SL
New Chip: Porsche 911 GT3 RS (997)

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Der 300SL gehörte in den 1950er- und frühen 1960er-Jahren zu den schnellsten Fahrzeugen auf vier Rädern und gleichzeitig zu den teuersten. Trotz seiner Exklusivität wurden von 1954 bis 1964 insgesamt über 3000 Exemplare aller Varianten gebaut, weshalb ein 300SL heute relativ häufig auf dem Markt anzutreffen ist.

Tatsächlich nimmt der 300SL im klassischen Automobilmarkt eine besondere Rolle ein: Kein anderes Fahrzeug im Segment von über einer Million US-Dollar taucht so regelmäßig im Verkauf auf. Dadurch dienen 300SLs oft als Indikator für die Entwicklung des Spitzenmarktes. Sogar ein eigener 300SL-Index wurde entwickelt, um Einblicke in die Gesamtentwicklung des Marktes zu geben. Je nach Baujahr und Karosserieform liegen die aktuellen Zustand-2-Werte dieser Klassiker zwischen 1,35 und 1,85 Millionen US-Dollar.

Ein moderner deutscher Favorit ist Porsches ikonischer, rennstreckenorientierter 911 GT3, insbesondere die 997-Baureihe (2007–2012). Die zweite GT3-Generation setzte das bewährte Konzept fort: geringes Gewicht, direkte Lenkung, Saugmotor, Hinterradantrieb und manuelles Getriebe.

Im Modelljahr 2010 wuchs der Motor von 3,6 auf 3,8 Liter, und in der sogenannten 997.2-Version kamen weitere Verbesserungen hinzu (die früheren Modelle werden als 997.1 bezeichnet). Es gab zudem noch leistungsstärkere RS-Versionen beider Varianten, und 2011 brachte Porsche den GT3 RS 4.0 mit fast 500 PS und einer Produktionszahl von nur 600 Exemplaren auf den Markt.

Von den insgesamt über 8000 gebauten 997 GT3 aller Varianten war weniger als die Hälfte eine RS- oder RS-4.0-Version. Diese Modelle erzielen heute Zustand-2-Werte von etwa 305.000 US-Dollar (997.1 GT3 RS), 350.000 US-Dollar (997.2 GT3 RS) und 825.000 US-Dollar (GT3 RS 4.0).

Blue Chip: Plymouth Hemi Cuda
New Chip: Dodge Challenger Demon 170

Mecum

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Ohne den „Bowtie“ und den „Blue Oval“ zu beleidigen, ist „Hemi“ der Inbegriff amerikanischer Big-Block-Muscle-Cars der späten 1960er- bis frühen 1970er-Jahre. Der Plymouth Hemi ‘Cuda von 1970–71 war der letzte Auftritt des ursprünglichen 426 Street Hemi und zugleich das Ende der uneingeschränkten Mopar-Muscle-Car-Ära.

Gemessen an Muscle-Car-Standards sind Hemi ‘Cudas zudem äußerst selten: 666 Exemplare im Jahr 1970 und nur 114 im Jahr 1971 wurden gebaut. Entsprechend liegen die Werte im obersten Bereich des Segments – insbesondere bei den extrem seltenen Cabriolets, von denen in beiden Jahren zusammen kaum zwei Dutzend entstanden. Diese erreichen Zustand-2-Werte von etwa 2,5 Millionen US-Dollar (1970) und 3,05 Millionen US-Dollar (1971). Die Coupés sind deutlich günstiger, aber immer noch sehr teuer: rund 245.000 US-Dollar für 1970 und 376.000 US-Dollar für 1971.

Der Dodge Challenger Demon 170 nimmt in der Mopar-Geschichte eine ähnliche Rolle ein – allerdings rund 50 Jahre später. Er markiert das letzte Kapitel der Hellcat-Ära und war zugleich das finale Modell der Challenger-Produktion (2008–2023).

Seine 1025 PS und 945 lb-ft Drehmoment sind beeindruckende Werte für einen serienmäßigen Dodge, auch wenn die Produktion mit rund 3000 Einheiten (plus 300 für Kanada) relativ begrenzt war.

Der Neupreis lag bei etwa 100.000 US-Dollar, doch der Sammlermarkt hat diese Fahrzeuge schnell erfasst. Der aktuelle Zustand-2-Wert liegt bereits bei etwa 141.000 US-Dollar.